Bayerischer Wald

 

Prachatice - Prachatiz

Die Geschichte der Stadt Prachatitz war von Anfang an mit dem Goldenen Steig, einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsweg, verbunden. Zunächst war der alte Marktort des Wyschehrader Kapitels (spätere Altprachatitz (Staré Prachatice) Ziel der ursrünglichen Route des Goldenen Steiges. Er befand sich am Südrand einer alten Siedlungsstätte, die schon von der Vorzeit bis ins 9. Jahrhundert  und von da an dauerhaft existiert und bis ins 11. Jahrhundert den letzten besiedelten Ort vor dem Grenzwald dargestellt hat. 

Prachatitz

Das ganze Gebiet von Altprachatitz bis zur Grenze mit dem Gebiet der Passauer Bischöfe stand seit dem 11. resp. 12. Jahrhundert unter der Verwaltung des Wyschehrader Kapitels.  einer bedeutenden kirchlichen Institution in Prag. Wyschehrader Zolleinnehmer am Goldenen Steig siedelten in Alprachatitz, wo eine Kirche und ein Verwaltungssitz lagen. Der Handelsaufschwung am Goldenen Steig im 13. Jahrhundert spiegelte sich auch in der Entwicklung von Prachatitz wider. Der gotische Umbau der St. Peter-und Paul- Kirche Ende des 13. Jhts. ist sichtbarer Ausdruck dieaser Belebung. Beamte und Untertanen des Wyschehrader kapitels  sorgten dafür, dass der böhmische Teil des Goldenen Steiges ständig benutzbar war, wofür sie auch einen Teil der erhobenen Wegzölle verwendeten. Für die Mitte des 13. Jhts. ist von der Instandsetzung einer bestimmten „Brücke im Wald“ die Rede, die sich wahrscheinlich an der Stelle des damaligen Moldau-Übergangs irgendwo südlich des heutigen Wallern (Volary) befunden haben dürfte. Der damalige Passauer Bischof Otto von Lonsdorf gab dem ständig wachsenden Säumerhandel am Goldenen Steig durch seine Verordnungen einen festen Rechtsrahmen.

Der blühende Handel am Goldenen Steig schlug sich auch in seiner böhmischen Zielstation sichtbar nieder. Der alte Marktort um die St. Peter-und Paul-Kirche konnte die erhöhten Anforderungen nicht mehr erfüllen, seine geographische Lage schloss zudem eine weitere Ausdehnung oder gar eine Umwandlung in eine Siedlung städtischen Typs aus. Das Wyschehrader kapitel übertrug deswegen seinen Verwaltungssitz in das etwas südlicher gelegene, breite Becken unterhalb des Libinberges. Historische Quellen sprechen erst für den Anfang des 14. Jahrhunderts von einer neuen Stadt; im Jahre 1312 vepflichtete sich Werner von Vitějovice (Witejitz), der in der nahen Burg Osule Sitz hatte, zusammen mit seinen „Prachatitzer Stadtbürgern“ die Säumerkarawanen am Goldenen Steig zu beschützen und erwähnt ist auch ein Prachatitzer Richter. Im Jahre 1323 bestätigte der böhmische König Johann von Luxemburg die frühere Stadtgründung durch den Wyschehrader Probst Johann und verlieh ihr das Recht, den Goldenen Steig zu nutzen und Zoll-Gebühren zu erheben.

Die neue Stadt entwickelte sich im 14. Jahrhundert sehr schnell, wozu sicherlich auch die außerordentliche Blüte des Salzhandels am Goldenen Steig beitrug.  Ein beträchtlicher Anteil der Erträge fiel dem  Wyschehrader Kapitel und seiner Stadt Prachatitz zu. Noch vor dem Ende des 14. Jahrhunderts begann man mit dem Bau der prachtvollen St. Jakobs-Kirche, die Stadt wurde mit dem ersten Mauerring umschlossen, wahrscheinlich wurde auch die erste Schule gegründet. 

Der erste große Aufschwung der Stadt wurde von den Hussitenkriegen unterbrochen. Die Hussiten haben 1420 Prachatitz erobert und für mehr als 20 Jahre ins hussitische Lager eingegliedert. Erst nach den Kriegen kam es zu einer allmählichen Erholung des Handels am Goldenen Steig. Während des 15. Jahrhunderts wechselten dann die Machthaber von Prachatitz und die Stadtentwicklung schritt weiter fort. Der Bau der St.Jakobs-Kirche ging voran, die Stadtbefestigung wurde modernisiert und auf dem Marktplatz ist ein neuer Häuserblock entstanden.

Im Jahre 1501 erwarben die Rosenberger Prachatitz und es begann die hundertjährige Blüte der Stadt, die größte Zeitperiode ihrer Geschichte. Die St. Jakobs-Kirche wurde fertiggestellt, es entstand auch der zweite und moderne Befestigungsgürtel, der Salzhandel am Goldenen Steig brachte die größten Erträge und der wachsende Reichtum ermöglichte immer aufwendiger städtische Bauten. Prachatitz wurde zu einer der prunkvollsten Renaissance-Städten im ganz Böhmen. Nach einem erhaltenen Einwohnerverzeichnis von 1585 lebten damals in Prachatitz 1354 Menschen in 226 Häusern. Eine 1602 entstandene Stadtansicht von Johann Willenberg vermittelt uns ein Bild von der Stadt in ihrer Blütezeit. 

Der letzte Rosenberger Peter Wok verkaufte 1601 Prachatitz an Kaiser Rudolph II. und der verlieh der Stadt acht Jahre später die Rechte einer königlichen Stadt. Der folgende Dreissigjährige Krieg hatte einen tragischen Einfluss auf das weiter Schicksal von Prachatitz. Sie wurde im September 1620 vom kaiserlichen Heer erobert, sie verlor das Statut einer königlichen Stadt und es kam die neue Obrigkeit das Geschlecht der Eggenberger. Die Habsburger nutzten die Nachkriegssituation und setzten im Verlauf des 17. Jahrhunderts eine Monopolstellung ihres österreichischen Salzes in Böhmen durch. Der Goldene Steig verlor somit den Zweck seiner Existenz und nach seiner Aufhebung zu Beginnn des 18. Jahrhunderts wurde die einst blühende und reiche Stadt allmählich zu einer bedeutungslosen Provinzstadt, in der die gesamte Stadtentwicklung stagniert hat.

Im Jahre 1719 erwarben die Stadt die Fürsten von Schwarzenberg und sie herrschten dort bis zur Abschaffung der Untertanenordnung im Jahr 1848. In der Stadt ließen sich immer mehr Deutsche nieder und sie wurde zweisprachig.  Als Provinzstadt galt Prachatiz auch im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1811 ist der wohl berühmteste Prachatitzer , Johann Neumann, geboren, der in Philadelphia (USA) zum Bischof ernannt und im Jahr 1977 von der katholischen Kirche heilig gesprochen wurde. Im Jahre 1832 vernichtete ein Großbrand in Prachatitz 137 Häuser. Nach der Abschaffung der Untertanenordnung wurde Prachatitz 1850 Zentrum des neu entstandenen Kreises und Sitz der Kreishauptmannschaft und des Kreisgerichtes. Es kam hier aber nicht zum rasanten Anstieg der Industrialisierung und noch am Ende des 19. Jahrhunderts bestand das mittelalterlich geprägte Stadtbild, das die Aufmerksamkeit von Künstlern und ersten Touristen erregt hat.       

Um 1900 gaben in der Stadt schon vor allem die Deutschen den Ton an, die fast drei Viertel Einwohner stellten.  Sie leiteten die meisten städtischen Einrichtungen und dominierten im Stadtrat. Von den Deutschen kam auch die Idee für die Gründung eines Stadtmuseums im Jahr 1904. Die ansässigen Tschechen konzentrierten ihre Anstrengungen auf die Aktivitäten des Turnvereins Sokol und auf den Bau eines eigenen Nationalhauses am Marktplatz. Nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 nahm die tschechischsprachige Bevölkerung in Prachatitz stärker zu und das Verhältnis zwischen den beiden Nationalitäten war nun fast ausgeglichen. 1930 lebten hier 2368 Deutschen und 2283 Tschechen. National bedingte Reibereien, die es schon am Ende der Habsburger Monarchie gegeben hatte, nahmen seit Ende der 30er Jahre zu und äußerten sich auf allen Gebieten. Auf der Grundlage des Münchner Abkommens  wurde Prachatitz in die sog. Ostmark des Dritten Reiches eingegliedert und Anfang Oktober 1938 von deutschen Militärs besetzt. Im Jahre 1945 wurde die Stadt von der US-Army befreit und 1946 hat man die hiesige deutsche Bevölkerung aus der Stadt und aus dem ganzen Kreis Prachatitz ausgewiesen.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1948 geriet die Stadt am Nordrand der streng bewachten Westgrenze ins sozialistische Lager. Im Jahre 1960 wurde sie Sitz eines Kreises, es entstanden Neubausiedlungen am Stadtrand, wodurch der bis zu dieser Zeit erhaltene mittelalterliche Charakter leider verloren ging. Die neu zugezogenen Menschen fanden Arbeit in neuen Industrie-Betrieben. Der historische Prachatitzer Stadtkern wurde im Jahre 1981 zur städtischen Denkmalzone erklärt. Im Jahre 1991 hatte Prachatitz 11 675 Einwohner. Nach der politischen Wende im Jahre 1989 wird die Stadt nach und nach renoviert und gewinnt somit ihre historische Gestalt zurück. An die Tradition des Goldenen Steiges, sowie an die traditionelle Verbindung zu den Regionen auf der deutschen Seite des Böhmerwaldes wird nun erfolgreich angeknüpft werden.

 

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Bayerischer Wald

Fotos: Dirk Renckhoff