Presseartikel und News vom Säumerverein Grainet

 

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Eine Zeitreise auf den Spuren der Säumer

Erschienen am 26.08.2013 um 08:33 Uhr

200 Teilnehmer aus vier Ländern erahnen die Strapazen und die Faszination eines Zugs

Von Ralph Heinrich aus der PNP vom 22.Juli 2013

Bischofsreut/Grainet. Zwischen Hufgetrappel und Pferdeschnauben hörte man am vergangenen Samstag den Säumerruf „Ahoj!“, über dem Haidel oft erschallen. Unter dem Motto „Erlebtes Säumen!!!“ hat der Graineter Säumerverein unter dem Vorsitzenden Andreas Aringer alle Interessierten zum zweiten Säumerzug dieser Art eingeladen. Und die Resonanz dieser perfekt organisierten Veranstaltung war, wie schon im Vorjahr, riesig. In der Früh ging es mit vier kostenlosen Shuttlebussen von Grainet und Prachatice nach Bischofsreut zur Harlander Brücke, wo die Saumpferde mit Fellen und Getreide aus Böhmen beladen wurden, gemäß der alten Säumervorschrift „Korn um Salz“. „Lasst das Säumen auf euch einwirken!“, beschwor Aringer die Teilnehmer bevor es losging. Begrüßt wurden die Wanderer von einigen Bürgermeistern: Martin Maly aus Prachatice, Kaspar Vogl aus Grainet und Fritz Gibis aus Haidmühle. Auch das Neureichenauer Gemeindeoberhaupt Walter Bermann hatte sich unter die Säumer gemischt. Einblicke in die Historie des Goldenen Steigs gab der tschechische Historiker Dr. Frantisek Kubu vom Museum Prachatice. In Richtung Bischofsreut marschierten danach die rund 200 Teilnehmer aus Bayern, Tschechien, Österreich und aus der Schweiz gleich zu Beginn den steilen Berg von der bayerisch-tschechischen Grenze hinauf. Von da aus weiter über den Haidel nach Grainet.
Dort wurde die europäische Säumerkarawane unter Begleitung der Graineter „Wanznpress“ und der Prachaticer Gruppe „Libin S“ zum Dorfanger hereingespielt, wo schon alles für ein buntes Musikantentreffen vorbereitet war. Auf dem rund 14 Kilometer langen Marsch erlebten die Teilnehmer, was Säumen heißt: Schritt für Schritt an der Seite der kräftigen Saumrösser dem Ziel näher kommen. Die Ruhe auf dem1000 Jahre alten Goldenen Steig zu „erleben“, auf den Spuren unserer Vorfahren die schöne Bayerwaldlandschaft durch Wald und Flur zu erwandern. Das war bei diesem Traumwetter sicher nicht zu überbieten. Doch das eine oder andere Gespräch der Teilnehmer zielte auch auf die unwirtlichen Bedingungen, die unseren Vorfahren in den letzten 1000 Jahren begegneten. Bei Wind und Wetter, bei Eis und Schnee, auf über 1100 Meter Höhe, ohne die heute übliche Funktionskleidung und in unsicherem Gelände unterwegs, das machte diese Säumer damals stark und hart und prägte den Waidler. Auf ihrem Weg nach Grainet machten die Säumer in Leopoldsreut Rast nachdem sie kurz vorher noch von einer Horde wilder Gesellen „überfallen“ wurden. Nach einem Gottesdienst in der Leopoldsreuter Kapelle gab es für alle zur Stärkung einen deftigen Säumereintopf bevor sich die Karawane wieder in Bewegung setzte. Auch Nachbarvereine marschierten wieder mit. Der Heimat- und Museumsverein Waldkirchen war ebenso dabei wie der Freyunger Historienverein und die historische Gruppe des Kulturvereins
Röhrnbach „Herrschaft Burg Kaltenstein“. Doch die bärtigen Männer vom Graineter Säumerverein konnte man sehr gut an ihrer leinenen Einheitskleidung mit den charakteristischen Filzkappen und den Holzlanzen von den heutigen Wandersgesellen unterscheiden. Kein Wunder, dass Aringer mit der Teilnahme und der Organisation zufrieden war: „Wir hatten schon letztes Jahr eine gute Resonanz und konnten heuer noch
weitaus mehr Menschen begeistern. Uns Säumern bereitet es Freude, unsere Gäste in eine andere Zeitmitzunehmen. Man vergisst alles um sich herum und das ist wohl die beste Werbung für das Säumen. Ich bedanke mich herzlich bei allen Unterstützern, denn ohne ihre Hilfe kann man so was nicht auf die Beine stellen.“