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Neues Säumerfest ist auf einem guten Weg

Erschienen am 30.07.2012 um 11:15 Uhr

Fast 100 Menschen beim ersten Säumerzug von Bischofsreut nach Grainet − großes Musikantentreffen mit elf Gruppen

Grainet. Es bedeutet immer ein gewisses Wagnis, einen Weg zu beschreiten, den man vorher nicht gegangen ist und den man nicht kennt. Die Graineter Säumer haben es mit einer Neukonzeption ihres bayerisch-böhmischen Säumerfestes gewagt – und waren überraschend gut damit unterwegs. Nicht wie bisher von Fürholz aus, sondern in umgekehrter Richtung von Bischofsreut her strebten heuer die Säumer der Ortschaft Grainet zu. Und wie sie es sich gewünscht hatten, wurden sie dabei von vielen Wanderern begleitet. Zwei Busse starteten am frühen Vormittag von Grainet aus nach Bischofsreut, wo die zehn Pferde mit Getreide und Fellen beladen wurden, genauso wie zu Zeiten des Goldenen Steiges, als auf dem mittelalterlichen Handelsweg von Passau nach Böhmen Salz, Passauer Wolfsklingen und Südwaren und auf dem Rückweg vor allem landwirtschaftliche Produkte befördert wurden.

Nachbar-Vereine marschieren mit

Neben den Säumern in ihrer leinenen Einheitskleidung und der charakteristischen Filzkappewaren auch mehrere Kraxenträgerinnen und –träger dabei, die ebenfalls allerhand Handelsware transportierten. Sie gehörten unter anderem der Exenbacher Gruppe an, die in den Vorjahren jeweils beim Festzug am Säumersonntag mit originellen Kostümierungen Aufsehen erregt hatte. Ebenso hatten sich Mitglieder des Waldkirchner Museumsvereins um den Vorsitzenden Christian Seidel in mittelalterliche Schale geworfen. Und auch der Freyunger Historienverein war vertreten. Vom Grenzort Bischofsreut führte der Weg auf der originalen Säumerstrecke durch den riesigen kilometerlangen Wald ins verlassene Dorf Leopoldsreut. Hier schilderte der renommierte Prachatitzer Erforscher des Goldenen Steiges, Dr. Frantisek Kubu, wie es seinerzeit auf dem Goldenen Steig zuging und welch große Warenmengen schon damals vor allem auf Pferderücken transportiert wurden. Kurz vor dem Eintreffen in Grainet, als es vom Haidelrücken schon hinunter nach Hochstein und zum früheren Graineter Sportplatz ging, überraschte die Karawane allerdings ein heftiger Platzregen, der die Wanderer in kurzer Zeit völlig durchnässte. Doch dann war ma namZiel und wurde von den Mauthausener Musikanten ins Dorf hineingespielt, wo bereits rund zweihundert Festbesucher auf die Säumer warteten. Vor Ort hatte man angesichts des unsicheren Wetters bereits Plan B in die Tat umgesetzt. Der Dorfanger blieb demnach leer, stattdessen fand das Fest auf dem Gelände der früheren Firma Kaspar Pauli in der Weißbräugasse statt. Hier hatte der MHD Fürholz sein kleines Gruppenzelt aufgeschlagen, daneben stand ein größeres der Firma Pauli. Zahlreiche Bierbänke und -tische im Freien waren ebenso schnell von Besuchern besetzt, und auch die Säumer sahen es gerne, wenn sich Festbesucher zu ihnen an die Lagerfeuer setzten. Rund um die Nikolauskirche drehen nur die Ponys mit Kindern auf dem Rücken unermüdlich ihre Runden. Auf die Säumer und Gäste wartete eine große Anzahl von kulinarischen Köstlichkeiten. So stieg den Besuchern beim Stand des Fischereivereins der Duft von Steckerlfischen und Fischkrapferln in die Nase. Daneben tischte der MHD Speisen mit ganz blumigen Namen auf: Erdäpfelsteckerl (Pommes), panierte Säumersau (Schnitzelsemmel), Malteserrolle (Teigrolle mit Hackfleisch und Gemüse). Selbstgemachtes Süßes bot der Obst- und Gartenbauverein an: Verschiedene Marmeladen und Liköre, darunter einen speziellen, sehr aromatischen „Säumerlikör“ aus der Versuchsküche von Elisabeth Ilg, dazu leckere Brotaufstriche, Radi- und Schnittlauchbrote. Beim Tennisclub gab’s Käse und extra große Brezen, und die Säumer selbst brieten auf einer Riesenpfanne schmackhafte Erdäpfelfleckerl. Kaffee und eine respektables Angebot an Kuchen und Torten rundete die kulinarische Vielfalt ab. Als alle hungrigen Mägen und durstigen Kehlen gestillt waren, ergriff Obersäumer Andreas Aringer das Mikrofon und verlieh seiner großen Freude über den bisherigen Festverlauf Ausdruck. 35 Säumer und fast doppelt so viele weitere Begleiter, die nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Passau und aus München wie auch aus Tschechien kamen, Vertreter des Tourismusvereins Ostbayern aus Regensburg, ebenso Urlaubsgäste, hatten sich auf den Weg gemacht – auf der Originalstrecke des Goldenen Steiges. Und alle seienmotiviert und mit Begeisterung dabei gewesen. Der lange Marsch habe auch viel Gelegenheit geboten, Gespräche zu führen, aber auch die Natur zu genießen, so Aringer. Bürgermeister Kaspar Vogl, der sich ebenfalls sichtlich über den guten Festbesuch freute, begrüßte im Besonderen den Landtagsabgeordneten Konrad Kobler, die stellvertretende Landrätin Renate Cerny, die Nachbarbürgermeister Heinrich Lenz (Hinterschmiding), Fritz Gibis (Haidmühle), Josef Gutsmiedl (Röhrnbach) und Max Schwarz, den zweiten Bürgermeister Waldkirchens. Gekommen Gekommen waren auch Ulrike Jarosch von derEuregio,RalphHeinrich vom Landratsamt Freyung-Grafenau und Mitglieder des KuLa- Mu Bischofsreut. Mit Bedauern stellte die Graineter Künstlerin Brigitte Hannig fest, dass der Sieger des Säumer- Fotowettbewerbes, Thomas Straub aus München, nicht anwesend war. Denn die Kunstmalerin hatte das Foto in ein Aquarell mit dem Motto „Salzsäumer – auch Rast ist Reise“ nach einem Gedicht von Hans Carossa „umgewandelt“ und wollte dem Fotografen nun einen Druck überreichen. Diesen nahm deshalb stellvertretend Andreas Aringer entgegen. Die Besucher konnten anschließend Kunstkarten mit dem Siegermotiv käuflich erwerben. Sogar eine Gesangseinlage hatte Andreas Aringer auf Lager, mit einem selbst gedichteten Säumerlied, gesungen nach der Melodie „Ich hab das Fräu‘nHelen‘ baden sehn“: „Wir hab’n Salzsäumer g’sehng, `s Salz war zweng, wos is gschehng, de ham a Korn dabei, für’n Haferbrei. Sie war’n in Prachatitz, net in Spitz (Anspielung auf die schweizerischen Säumerfreunde, dieRed.).Nur vom Soiz alloa kannma net leb’n.“

Vertonter „Traditionsbruch“

Der Text war auch als Hinweis auf den „Traditionsbruch“ des diesjährigen Säumerfestes zu verstehen, einmal nicht von Fürholz aus nach Grainet, sondern in umgekehrter Richtung zu marschieren, um den Goldenen Steig auch von der anderen Seite her zu begehen. Sängerisch und musikalisch unterstützt wurde Andreas Aringer dabei von der kleinen Celina Dersch sowie von Andrea Maier, Ursula Thumann und Albin Häring. Als „zweiten Joker“ des Festes bezeichnete Säumervorstand Aringer das Musikantentreffen. Elf kleinere und größere Gruppen waren der Einladung gefolgt, beim Fest jeweils etwa zwei Stunden lang für die Gage einer Brotzeit aufzuspielen.Dieses Musizieren wurde tatsächlich zumRenner, für das die Musikanten wie auch die Säumer jede Menge Lob ernteten. Denn die Musiker aus Bayern, Österreich und Tschechien boten eine große Vielfalt an Klängen: Konventionelle Blasmusik („Mauthausner Tanzlmusi“ aus Österreich) Harmonikaklänge („Wanznpress“), zünftige Wirtshaus- Musik (Schwiaza-Musi, Gruppe „Host mi“, Duo „Pfui Deifi“, „Spitzbuam-Duo“, „Hans und Hias“, Gruppe „ZwerXt“), beste Unterhaltungsmusik („Saußbachsinfoniker“, „d’Wolfstaona“) und schwungvoller Dixie-Sound aus Budweis („DixieOld Boys“). Da juckte es so manchen Festbesucher in den Beinen, sodass auf demBeton – bzw. Teerboden sogar das eine und andere Tänzchen gewagte wurde. Andreas Aringer zeigte sich zu vorgerückter Stunde rundum zufrieden − sowohl mit dem Festverlauf wie auch mit dem Besucherzuspruch.

Von FlorianDuschl, Passauer Neue Presse